SONDERAUSSTELLUNG

26.11.2026–28.03.2027

LIEBE AUF DEN ERSTEN BLICK

Aquarelle und Zeichnungen, Daguerreotypien und Metallgefäße. Die Schenkung Jochen Voigt

„Liebe auf den ersten Blick“ beschreibt nicht nur die emotionale Herangehensweise des Chemnitzer Sammlers Jochen Voigt beim Zusammentragen seiner Kostbarkeiten, sondern ist auch die Ausstellung gewordene Danksagung des Museums für die großzügige Schenkung von rund 870 Einzelstücken in den zurückliegenden Jahren.

Die Fülle der ausgestellten Beispiele verweist auf die drei Interessenschwerpunkte des Schenkers, die in den Bereichen Kunst, Design und Fotografie liegen. Sie spiegeln in ihrer Vielschichtigkeit auch das berufliche Wirken von Jochen Voigt wider: Er arbeitet bis heute als Ausstellungsdesigner, Restaurator für Möbel, Kunstkammerobjekte und frühe Fotografie, Kurator sowie Verfasser kunstwissenschaftlicher Publikationen. Er war außerdem Verleger, Galerist und 24 Jahre Professor für Design an der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Seit den 1990er Jahren verbinden ihn mit dem GRASSI Projekte und persönliche Bekanntschaften, weshalb er seine Sammlung gezielt unserem Haus anvertraute.

Die Daguerreotypie interessiert Jochen Voigt als erstes praktikables Verfahren der Fotografie und vor allem aus künstlerischer Sicht. Weltweit trug er eine hochkarätige Sammlung zusammen, die sich nun größtenteils in unserem Haus befindet. Er verfasste eine Geschichte der Daguerreotypie in Sachsen und die Biografie der ersten Berufsfotografin: Bertha Wehnert-Beckmann aus Leipzig.
Parallel baute er eine international ausgerichtete Sammlung von Handzeichnungen, Aquarellen und Radierungen des 19. Jahrhunderts auf, die einen Blick auf die damals ganz neuen Anschauungen der Landschaftsmalerei gewährt. Viele namhafte Künstler sind mit Beispielen vertreten, unter ihnen William Turner, Eugène Delacroix und Georg von Dillis.
Seiner Profession als Designer ist es schließlich geschuldet, dass Jochen Voigt auch Beispiele frühen Industriedesigns sammelte, im speziellen Fall versilberte Metallgeräte für die Tafel, geschaffen im Geist von Funktionalismus und Art déco. Die funkelnden Objekte namhafter Firmen und Gestalter aus ganz Europa verleihen unserer Orangerie ein Flair, wie es in den 1920/30er Jahren auf großen Messen, etwa in Leipzig, geherrscht haben muss.

Über 300 Stücke der Ausstellung „Liebe auf den ersten Blick“, die in 30 Jahren zusammengetragen wurden, lassen die engen Verflechtungen zwischen Kunst, Design und Fotografie erahnen und Voigts ganzheitliche Beschäftigung mit den Dingen Gestalt annehmen. Dieser Kosmos von Formen, Farben, Linien und Spiegelungen erweist sich als ein grandioser Zuwachs für die Museumskollektion des GRASSI Museums für Angewandte Kunst,

Publikationen

Der umfangreiche Katalog „Neue Perspektiven. Die Sammlung Jochen Voigt im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig" ist im Passage-Verlag erschienen, dt., 384 Seiten, 35 € und im Museumsshop erhältlich.

Der Katalog “Schätze im Dunklen” umfasst Kunst auf Papier aus dem 19. Jahrhundert. Der Band erscheint im Mai 2026 ebenfalls bei Passage, dt., 208 Seiten, 29,50 €.