SONDERAUSSTELLUNG

21.11.2019–29.03.2020

HISTORY IN

FASHION

1500 Jahre Stickerei in Mode

Stickerei erfüllte immer das Bedürfnis, Individualität und Bedeutung in Kleidung einzuschreiben. Als Kontrast zu Fast Fashion und Massenproduktion erlebt diese jahrhundertealte Technik der individuellen und detailverliebten Verzierung ein Comeback. In Form, Material und Motiven betont die aktuelle Mode handwerkliche Kunstfertigkeit und historische Bezüge und setzt Stickerei als Statement.

Aktuelle Themen werden in der Ausstellung diskutiert: Schnelllebigkeit von Mode und technische Entwicklung ebenso wie Gender, Globalisierung und Nachhaltigkeit. Mit einem großen Anteil an historischen Beispielen durchstreift sie zudem zahlreiche Epochen und Themen der Kulturgeschichte und beleuchtet auch Sammlungsgeschichte. Insgesamt gliedern sechs Themeninseln die Ausstellung. Allgegenwärtig ist dabei stets der Rückgriff auf Formen und Farben der Pflanzenwelt. Blüten, Blätter und Früchte gehören zu den wichtigsten Inspirationsquellen für gestickte Motive auf Kleidung. Durch alle Zeiten symbolisieren sie das Wachsen und Blühen des Lebens, thematisieren Schönheit und Fruchtbarkeit, aber auch Vergänglichkeit.

Vor diesem Hintergrund zeigt die Ausstellung an ausgewählten Beispielen der eigenen Sammlung die über die Jahrhunderte immer wiederkehrende Bedeutung von Stickerei in der Mode. Angefangen mit faszinierenden Arbeiten aus koptischer Zeit und Mittelalter, über reiche Stickereien des Barock, Arbeiten des 19. Jahrhunderts bis zu Neuerwerbungen der Grassi-Messen im 20. und 21. Jahrhundert bietet sie einen Streifzug durch die Modegeschichte.

Fashion bedeutet in diesem Kontext Kleidermode: Gezeigt wird nicht Mode als Werk eines Modeschöpfers, sondern Kleidermode aus Gegenwart und Vergangenheit unter übergreifenden Fragestellungen zu Technik und Bedeutung. Neben Kleidungsstücken auf Figurinen sind viele Fragmente und Musterstücke zu sehen – nicht nur von historischen Objekten, sondern ebenso von experimentellen Arbeiten der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. HISTORY IN FASHION bedeutet einerseits Rückgriffe und Anleihen aktueller Mode auf Vorbilder und Anregungen aus historischer Mode sowie andererseits die Geschichte von Anfertigung, Entstehung, Gebrauch und Überlieferung, die jedes einzelne Objekt in sich trägt. In jedem Exponat steckt somit eine Story, die es zu entdecken gilt. So zeigen einige Ausstellungsstücke deutliche Spuren einer Zweit- oder Drittnutzung. Auf diese Weise werden Wachsflecken, die vom einstigen Gebrauch bei Kerzenschein zeugen zu wichtigen Informationsträgern der Objektgeschichte.
Internationale und globale Vernetzungen spielten in der Modegeschichte schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Anregungen und Ideenaustausch halfen und helfen stets dabei, sich mit anderen Kulturen vertraut zu machen.

Zudem präsentiert die Schau ausgewählte zeitgenössische Beispiele der Haute Couture sowie innovative Werke von Textilkünstlern und jungen Talenten. Als Partner für diese Sonderschau hat das Museum die Textilklasse der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle unter der Leitung von Professor Bettina Göttke-Krogmann gewonnen.
Die Arbeiten von neun Studierenden zeigen neue Ansätze für die Verwendung von Stickerei auf Kleidung für Hand- und Maschinenstickerei. Traditionelle Techniken sind hier ebenso faszinierend und innovativ eingesetzt, wie digitale Techniken und neue Materialien. Diese Beispiele zeigen die unerwartete Möglichkeiten dieser besonderen Kunsttechnik der Textilveredelung.