Foyer-Ausstellung

24.02. – 21.04.2024

Kinder.BUCH.kunst

aus den Niederlanden und Flandern

Die Niederlande und Flandern waren 2024 unter dem Motto  „Alles außer flach“ Gastland der Leipziger Buchmesse. In Kooperation mit der Niederländischen Stiftung für Literatur und Flanders Literature werden im Foyer herausragende Illustratorinnen und Illustratoren aus der reichen und vielfältigen Kinder- und Jugendbuchszene unserer Nachbarländer gezeigt.

Zu den Themen Tiere, Selbstfindung und Kunst präsentiert das Museum 10 Kinderbücher. Wir danken den Verlagen, die großzügig Bücher für die Präsentation bereitgestellt haben: Bohem, Freies Geistesleben, mixtvision, Gerstenberg, Ellermann und Aracari.

Kuratorinnen: Karoline Schliemann mit Melanie Schindler

Eintritt in die Sonderausstellung ist frei.

Über die Bücher und ihre Themen

Die Auswahl der Kinderbücher ziehen die Betrachtenden durch ihre Illustrationen aber auch durch die Texte in den Bann. Verschiedenste Themen werden angesprochen und behandelt.

Die Illustrationen überzeugen durch ihre vielfältigen Zugänge und Ideen. Sie lösen ein intensives Leseerlebnis aus und regen zur tiefgreifenden Auseinandersetzung an. Davon zeugen die ursprünglich analogen künstlerischen Techniken: Malerei, Zeichnung, originalgrafische Drucke, Fotografie und viele weitere Mischvarianten - eine Reichhaltigkeit der bildnerischen Auseinandersetzung.


Selbstfindung

Das originelle Kinderbuch „Pluck mit dem Kranwagen“ von der bekannten Illustratorin Fiep Westendorp überzeugt durch Westendorps unverwechselbaren Zeichenstil, der durch wenige Linien die Wohnturmgeschichten humorvoll belebt und die Emotionen von Pluck und seinen Freunden einfühlsam ausbreitet. Die charakteristischen Zeichnungen für dieses Buch haben ihre Herkunft aus dem Nachlass der bereits verstorbenen Illustratorin. Pluck erobert heldenhaft mit seinen Abenteuern die Kinderherzen. Eine lebenslange Freundschaft verbündete Fiep Westendorp mit der Autorin Anni M. G. Schmidt. Auch in diesem Buch fanden die beiden zusammen.
In der anziehenden Erzählung „Hexenfee“ geht es um eine junge Fee, die widersprechen will und viel lieber eine Hexe wäre. Für Brigitte Minne dient eine Mutter-Tochter Beziehung als Ausgangspunkt für die Fantasieerzählung. Der preisgekrönte Illustrator Carll Cneut verwandelt die Worte in eine Märchenwelt. Zauberhaft verwendet er detailliert Zeichnung und Malerei, um diese Welt entstehen zu lassen, bei der der Betrachtende auf dem Besen mitfliegt.
In dem Buch „Ich bin Victorine“ geht es auch um Beziehungen aber zu Mitmenschen und in erster Linie zu ihren Mitschülerinnen und Mitschüler. Sie freut sich sehr auf die Ferien, um in diesen festzustellen: „Keiner der mich so oder so fand. Ich selbst auch nicht. Ich konnte tun, was ich wollte, und sein, wer ich bin.“. Mit der Leichtigkeit von Stift und Pinsel wurde das Buch von Annemarie van Heringen in Bilder übersetzt. Die mutmachenden Worte stammen von Jet van Overeem. „Dass du da bist, sollte genau so sein. Du – Victorine – und keine andere.“
Die Betrachterinnen und Betrachter des Kinderbuches „Wolke träumt“, tauchen in eine meist surreale Welt ein, Seite für Seite eröffnet sich ein anderer Zustand, in dem sich die Umgebung aus hellen und weißen Farbflächen aufbaut. Als wären die Lesenden in einem Wolkenkuckucksheim in dem selbst Bananen weiß sind. Ein Traum, der im Zuhause beginnt und voller Abenteuer im farbigen Draußen endet. Kaatje Vermeire lässt die Betrachtenden durch Illustrationen in den Träumen des Mädchens herumirren. Sie schafft es durch zarte Strukturen und die beschränkte blau - weiße Farbpalette Wolkes Welt monochrom erscheinen zu lassen. Für die sorgfältig gestalteten Kompositionen arbeitet sie mit digitalen und analogen Techniken. Das Buch ist eine Zusammenarbeit mit Paul de Moor, der mit seinen zurückhaltenden Worten die Pausen fühlt und das Buch somit stimmungsvoll abrundet.
Der Mensch ist es gewöhnt seinen Verpflichtungen und Erwartungen nachzugehen und genau diese Themen beleuchten Ingrid Godon und Toon Tellegen in ihrem Kinderbuch „Ich sollte“. Ihre Zusammenarbeit fand für die beiden Bücher „Ich wünschte“ und „Ich denke“ den Anfang. Godon und Tellegen wissen bis zum Schluss der künstlerischen Arbeit nichts voneinander, Ingrid Godon kennt die Texte nicht und Toon Tellegen die Illustrationen nicht. Verblüffender Weise harmonieren die beiden Arbeiten hervorragend miteinander, konfrontativ, verletzlich und eine Sammlung voller Mitgefühl. Die beiden Kunstschaffenden regen zum Nachdenken an. Tellegens lyrische Texte sind ergreifend und nehmen auf eine innere Stimmungsreise mit. Die Illustratorin, eine Porträtistin, die im Experimentieren das Wesentliche sucht, fokussierte sich auf reduzierte Zeichnungen, die ein liebevolles Gefühl vermitteln. Sensible Atmosphären werden durch starke Linien und Flächen geschaffen. Für das Buch „Ich sollte“ fügt sie noch einen kräftigen und leuchtenden Farbton Zitronengelb hinzu und setzt Akzente, die sich in der Buchgestaltung durch transparente gelbe Blätter wiederholen. Godon erfährt internationales Ansehen in der Welt der Illustration.


Tiere

In „Kaninchentango“ von Daan Remmerts de Vries geht es um Freundschaft, um eine sich im Wasser spiegelnde Geschichte zweier Hasen, die sich kennenlernen und verlieben. Der Tango steckt nicht nur im Titel der Geschichte, auch das Buch lädt zum Tanzen ein, denn die Kinder und Erwachsen können es drehen und wenden, wie es ihnen gefällt. Durch das Duo Ingrid und Dieter Schubert zeigt sich die Geschichte in zarten, kräftigen und wässrigen Tönen. Geschriebene Worte braucht „Kaninchentango“ keine, um verstanden zu werden. Die beiden Kunstschaffenden schreiben auf ihrer Website, dass eine Zeichnung fühlbar sein muss. Deshalb nutzen sie immer als Ausgangspunkt für ihre Illustrationen eine gut ausgearbeitete Bleistiftzeichnung statt einer digitalen Skizze.
„Der kleine Fuchs“ träumt auch, aber nicht von Dingen, die er machen möchte, wenn er mal groß ist, sondern von Erlebnissen, als er noch ein Jungtier war. Er träumt, bis ihn ein kleiner Junge rettet und ihn dorthin zurückbringt, wo der kleine Fuchs sicher ist. Die charmante Erzählung verdanken die Lesenden Edward van de Vendel. Die Träume des kleinen Fuchses setzte mit einer Kombination mittels analoger Techniken die mehrfach ausgezeichnete Marije Tolman ausdrucksstark um. Sie bevorzugt, mit der Fotografie, grafischen Drucktechniken und Zeichnung zu arbeiten und kombiniert all diese Techniken gekonnt. Den kleinen Fuchs setzt sie mit einer Sonderdruckfarbe, einem strahlenden orange, immer in den Mittelpunkt der Handlungen. Den Landschaften liegen Fotografien zu Grunde und alle Tiere und Menschen wurden mit Mal- und Zeichentechniken wiedergeben.
Ein leuchtender gelber Fisch mit großen lilafarbenen kugeligen Augen schaut neugierig. blättern die Bilder-Lesenden weiter, begegnet Ihnen ein verstörter Fisch. Mit blauem Körper, stacheligen Schuppen, pinken Augen und dunkelblauen Zähnen, ist er eindeutig als „erschrocken“ dargestellt. In „Heute bin ich“ findet sich ein ganzer Schwarm besonderer Fische, die mit ihrem Aussehen verschiedene Gefühle, Emotionen und Stimmungen ausdrücken. Seit mehr als 30 Jahren illustriert und schreibt Mies van Hout Kinderbücher. Mit diesem Buch regt sie an, über Empfindungen nachzudenken, sie zu bennen und darüber zu reden, um sie besser zu verstehen. Für jede Doppelseite zeichnet sie mit Ölpastell- und Wachsmalstiften auf schwarzem Hintergrund einen Gefühlsfisch und betitelt sie.
Herausragende Werke der Kinder- und Jugendliteratur werden mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ ausgezeichnet, dieses Buch „Heute bin ich“ wurde 2013 dafür nominiert. 2024 ist bereits die 26. Auflage erschienen, das Buch erwies sich in Folge der Nominierung als Publikumsliebling und wurde zu einem Kassenschlager.


Kunst

Im Buch „Im Garten von Monet“ überrascht uns Kaatje Vermeire mit einem farbenprächtigen Werk. Im Vergleich zu ihrer künstlerischen Arbeit für „Wolke träumt“, in dem Vermeire den stillen Farben und den ausgewogenen Bildkompositionen Raum gibt, spazieren die Lesenden „Im Garten von Monet“ durch eine Explosion aus Farben. Ihre Hommage an den Begründer des Impressionismus ist eindeutig zu erkennen. Ein überzeugendes Bilderbuch, das auch die wechselhaften Lebensabschnitte Claude Monets beinhaltet. Die Illustratorin bringt durch ihre lebensfrohen Malereien des Gartens Monets Liebe zur Natur und zur Malerei poetisch zum Tragen. In dem Text, ebenfalls von Kaatje Vermeire, geht sie auf die Augenkrankheit von Monet ein. Dies könnte ein Grund für seinen Stil, in dem sich klare Formen auflösen, sein. In beiden Büchern schafft es die Illustratorin, durch ihre künstlerische Übersetzung den Erzählungen eine zusätzliche Dimension zu verleihen.
Matisse schwingt seine Pinsel mit reiner Farbe über große Leinwände, die Farbe und die Form sind Bildgebend für sein künstlerisches Werk. Nach einer Operation ist er bettlägerisch und auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch trotzt diesen Umständen führt Matisse seine Kunst ausdauernd fort. Unterstützt von seiner Schere und seiner Assistentin konstruiert er einmalige Kunstwerke. In dem Buch „Monsieur Matisse und seine fliegende Schere“ nähert sich Annemarie van Heringen bereichernd dem Leben von Matisse und orientiert sich bei ihren Illustrationen an seinem Stil. Die Schere, die für sein Spätwerk entscheidend ist, überhöht sie und stellt sie überdimensional groß dar.

Kooperation

Das Projekt findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse statt, deren Gastland 2024 die Niederlande sind.